Home / Persönliche Worte (Michael Maurer)

Persönliche Worte (Michael Maurer)



Meine Geschichte zum Miteinander

Als ich das erste Mal im Jahr 2007 Kenia erlebte, war ich fasziniert von der Kultur, den Landschaften und den Menschen. Und ich war gleichzeitig geschockt und betroffen. In jenem Jahr habe ich in meinem Leben das erste Mal hautnah gespürt, wie es sein könnte, in absolut materieller Armut leben zu müssen.

Anlass war ein Besuch in Tiwi bei der Familie eines Hotelgärtners. Er verdiente pro Monat bei einer 48-Stunden-Woche umgerechnet 32 Euro. Und er zählte schon im Vergleich zu anderen Familien zu den Besserverdienenden. Denn er hatte im Gegensatz zu den meisten Bewohnern Kenias einen Job. Mit diesem Geld hielt er nicht nur seine eigene kleine Familie am Leben, sondern unterstützte auch die Familien seiner Geschwister. Trotz dieser Situation schien er voller Zuversicht und Lebensfreude zu sein.

Ich selbst habe noch nicht erfahren, wie es sich anfühlt, hungern zu müssen. In der Familie des Gärtners namens Juma gab es oft nur eine Mahlzeit am Tag.

Ich und meine Frau beschlossen, der Familie zu helfen und zu unterstützen. So entstand im Laufe der Jahre eine innige Freundschaft. Die drei Kinder von Juma Mwakilolo besuchen eine Privatschule, dessen Schulgebühren wir finanzieren. Juma konnte sich ein Geschäft aufbauen. Und viele Dinge mehr.

Einige Bekannte und Freunde übernahmen Schulpatenschaften anderer Kinder. Im Jahr 2010 entschlossen wir uns, ein Haus im Dorf unserer befreundeten Familie zu bauen. Ich glaube, dass es das erste Haus war, dass ein Weißer ohne schützende Mauern in Kenia gebaut hat. So verbringen wir seitdem im Jahr sechs Wochen zusammen mit unseren kenianischen Freunden.

Im Jahr 2014 entstand dann die Idee, einen Verein zu gründen, da es immer mehr Interessenten an eine Schulpatenschaft oder eine Familienpatenschaft gab.

Unser eingetragener Verein bekam den Namen Tiwi Ndogo (kleines Tiwi) von den Bewohnern Tiwis.
Aktuell existieren 21 Schulpatenschaften, eine Familienpatenschaft und drei Geschäftsförderungen. Dazu sind acht Brunnen für unentgeltliches Trinkwasser entstanden, 12 Schaukeln gebaut worden und ein großer Kinderspielplatz ist in der Entstehung. Zudem bekommen Hungernde kostenlos Lebensmittel und ernsthaft mittellose Erkrankte kostenfrei medizinische Hilfe. Anzumerken ist, dass 100% jeder Spende ihr Ziel erreicht. Das ist mir sehr wichtig und ist in unserer Vereinssatzung manifestiert. Alle anfallenden Kosten werden aus eigener Tasche finanziert.

Für mich ist unser Verein eine Herzensangelegenheit und keine „Geschäftsidee“ oder „Prestigeobjekt“.

Ich freue mich, wenn es Menschen gibt, die materiell etwas abgeben können und wollen. Die ihre Mitmenschen unterstützen. Sei es in Deutschland, Afrika, Asien oder sonstwo. Das, was zählt, ist, eine Veränderung abseits von Gewalt und Trennung bewirken zu wollen. Grenzenlos. Weltweit. Ein Miteinander.

Herzliche Grüße

Michael Maurer


  • Share Post

Comments

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *